Urteil im Prozess um Betrugsvorwurf durch „falsche Polizisten“ am Freitag erwartet

OSNABRÜCK. Das Verfahren vor der 18. Große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück gegen einen jetzt 32-jährigen Angeklagten wegen des Vorwurfs des gewerbs- und bandenmäßigen Betruges steht voraussichtlich vor dem Abschluss (Az. 18 KLs 10/19). 

Der Vorwurf

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, Mitglied einer Bande gewesen zu sein, die von Istanbul aus telefonisch vorwiegend ältere Menschen in Deutschland betrogen haben soll. Die Anrufer sollen sich dabei als Polizeibeamte oder sonstige Amtsträger ausgegeben haben. Die Angerufenen sollen sie mit unterschiedlichen Bedrohungsszenarien unter Druck gesetzt haben. Meist soll dies dahin gegangen sein, die Polizei habe Hinweise, dass eine Einbrecherbande die Angerufenen im Visier habe. Dadurch sollen die älteren Menschen dazu gebracht worden sein, Wertgegenstände und Bargeld an Kuriere der Bande zu übergeben, damit die „Polizei“ diese sicher verwahren könne. Teils sollen die Angerufenen auch Bargeld in die Türkei versandt haben. 

Rolle des Angeklagten

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft spielte der Angeklagte in der Bande eine wesentliche Rolle. Er soll insbesondere ein wichtiger Verbindungsmann zwischen den Hintermännern in der Türkei und den sog. Logistikern, die die Abholung der Beute in Deutschland organisiert haben sollen, gewesen sein. Auch soll er selbst Anrufe durchgeführt haben. Konkreter Gegenstand der Anklage sind, nach Teileinstellung des Verfahrens in Bezug auf eine weitere ursprünglich angeklagte Tat, noch acht Taten im Zeitraum August 2018 bis Januar 2019. Opfer sollen Senioren aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen gewesen sein. Die Beute soll mehr als EUR 200.000,00 betragen haben. 

Die Beweisaufnahme

Die 18. Große Strafkammer hat im Laufe des Verfahrens diverse Zeugen vernommen, darunter mutmaßliche Opfer der angeklagten Taten. Auch wurden Mitschnitte von Telefonanrufen bei den Opfern im Gerichtssaal vorgespielt. Der Angeklagte hat sich zur Sache eingelassen und die Vorwürfe zum Teil eingeräumt.  

Die Plädoyers

In den am Montag, dem 23. September 2019, gehaltenen Plädoyers forderte die Staatsanwaltschaft eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren für den Angeklagten. Sie sah die Vorwürfe in den acht konkreten Fällen, die Gegenstand des Verfahrens waren, als belegt an. Die Gesamtstrafe müsse dabei berücksichtigen, dass aus Sicht der Staatsanwaltschaft schon für jede einzelne dieser Taten eine Haftstrafe ohne Bewährung geboten sei.

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Habig aus Dortmund, forderte dagegen eine deutlich geringere Strafe, ohne ein konkretes Strafmaß zu beantragen. Zwar habe sein Mandant eingeräumt, im Auftrag der Hintermänner von Istanbul aus Anrufe bei Opfern in Deutschland getätigt zu haben. Die ihm von der Staatsanwaltschaft zugeschriebene zentrale Position habe er aber nicht innegehabt. Auch sei er nicht an allen ihm konkret vorgeworfenen Taten in strafrechtlich relevanter Weise beteiligt gewesen. Der Angeklagte erklärte in seinem letzten Wort, er bereue sein Handeln. 

Termin der Urteilsverkündung

Die Kammer wird ihr Urteil am Freitag, dem 27. September 2019, ab 11.30 Uhr in Saal 6 des Landgerichts (Saalzentrum) verkünden.

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