Einstimmig- Starkes Zeichen Einigkeit der Zoogesellschaft

Dr. E. h. Fritz Brickwedde (Zoopräsident, links) und Andreas Busemann (Zoogeschäftsführer, rechts) freuen sich auf die Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Leitungsteam Andreas Wulftange und Tobias Klumpe (wissenschaftliche Kuratoren), Thomas Scheibe (Zootierarzt), Thorsten Vaupel (Zooinspektor).

Einstimmig für wissenschaftliches Leitungsteam gestimmt

Wie es nach dem Renteneintritt von Zoodirektor Prof. Michael Böer ab Ende März 2020 im wissenschaftlichen Bereich des Osnabrücker Zoos weitergeht, stimmte gestern die Zoogesellschaft Osnabrück e.V. ab.

Nach einer Vorstellungsrunde des zukünftigen Leitungsteams und dem Ausblick auf die Zukunft, diskutierten die Teilnehmer der Mitgliederversammlung über die strategische Aufstellung und setzten nach der offenen Diskussion ein starkes Zeichen für den Zoo Osnabrück und ihr Team.

155 stimmberechtigte Teilnehmer gaben ihre Stimme für das wissenschaftliche Leitungsteam, würdigten dessen hervorragende Arbeit und setzen auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer Andreas Busemann und den anderen Gremien.

Zoopräsident Dr. E.h. Fritz Brickwedde stellte die Lage dar

„Wir möchten uns heute mit der Zukunft des Zoos beschäftigen – das hatte ich Ihnen bei der letzten Mitgliederversammlung im September mit der Wahl des neuen Präsidiums versprochen. Insbesondere geht es uns um die zukünftige Aufstellung der wissenschaftlichen Abteilung“, begrüßte Dr. E.h. Fritz Brickwedde, Präsident des Zoovereins, die Anwesenden im Zentrum für Umweltkommunikation.

„Über die Möglichkeiten werden wir heute abstimmen, um ein Meinungsbild der Vereinsmitglieder zu erhalten – das Ergebnis nimmt das Präsidium mit in den Aufsichtsrat, wo die finale Entscheidung gemeinsam mit der Stadt getroffen wird.“ Hintergrund: Der aktuelle Zoodirektor Prof. Michael Böer, der seit Juli 2012 als Prokurist im Zoo tätig ist, wird Ende März 2020 in den Ruhestand gehen.

Geschäftsführer Andreas Busemann hatte mit dem früheren Präsidium die Lösung erarbeitet, dass ein Leitungsteam bestehend aus zwei wissenschaftlichen Kuratoren (Biologen), dem Zooinspektor und dem Tierarzt die Leitung des Tierbereichs übernimmt. „Dieses Modell konnten wir die letzten zwei Jahre testen und es hat sehr gut funktioniert – sowohl das wissenschaftliche Leitungsteam als auch die Mitarbeiter sind sehr zufrieden und die Arbeit läuft“, resümierte Busemann.

„Das Team, das zwei Jahre hart dafür gearbeitet hat, verdient nun diese Chance und wir haben vollstes Vertrauen in sie. Die beiden Biologen werden dann Prokura erhalten.“ Plan war dieses Modell ab März 2020 zwei weitere Jahre zu testen, die Gespräche hierzu in den entsprechenden Gremien liefen. Zur letzten Vereinsversammlung im September mit Wahl des neuen Präsidiums sowie auch zur aktuellen wurden jedoch zwei Anträge aus Mitgliedskreisen eingereicht, einen Zoodirektor auf gleicher Position des Geschäftsführers und nicht wie seit 2012 als Prokurist einzustellen. Zoopräsident Brickwedde präsentierte deswegen bei der gestrigen Veranstaltung drei mögliche Modelle zur Abstimmung:

  • Modell 1: Die wissenschaftliche Abteilung mit dem Leitungsteam auf Probe für die kommenden zwei Jahre
  • Modell 2: einen externen Zoodirektor als zweiten Geschäftsführer
  • Modell 3: einen externen Zoodirektor als Prokurist

Vorstellung des wissenschaftlichen Teams

Kurator Tobias Klumpe stellte seinen umfassenden Tätigkeitsbereich vor

Damit die Anwesenden einen umfänglichen Einblick in die bisherige Arbeit des wissenschaftlichen Teams erhalten, stellten die Teammitglieder, allesamt langjährige Zoomitarbeiter, zunächst ihren Werdegang sowie ihre aktuellen Tätigkeitsbereiche vor: Mitarbeiterführung der Tierpfleger, Tierbestandsmanagement, Zusammenarbeit mit Behörden und Verbänden, Umsetzung von Artenschutzprojekten oder Projekten mit der Universität gehören zum Arbeitsbereich der studierten Biologen Tobias Klumpe und Andreas Wulftange.

Kurator Andreas Wulftange erklärt seine Reviere und die zahlreichen Arbeiten, die mit seiner Tätigkeit verbunden sind.

Beide arbeiten bereits seit über zehn Jahren im Zoo Osnabrück, seit 2012 als wissenschaftliche Assistenten, seit Anfang 2018 als Kuratoren in Leitungsfunktion. Zusätzlich zu ihrem Biologiestudium und einer Tierpflegerausbildung schlossen sie ihren Master im Bereich Management/Personalführung ab.

Eindrucksvoll gaben die beiden Kuratoren einen Blick hinter die Kulissen. So berichteten sie beispielsweise sehr eindrucksvoll, wie der Zoo Osnabrück zu Schwarzbärin „Honey“ gekommen war. Sie lebte über 9 Jahre in einem Privatzoo auf Malta unter schlechten Bedingungen. Abgesehen von dem Zustandekommen der Vereinbarung, das Tier in Osnabrück aufzunehmen und den vielfältigen Vorarbeiten, musste der Transport wohlorganisiert werden. So gab es Zwischenstationen in anderen Zoos, wo die scheue Bärin versorgt werden konnte, um sie dann weiter behutsam in Osnabrück einzugewöhnen.

Spätestens an dieser Stelle wurde deutlich, wie viel Arbeit und Engagement für das Tierwohl im Zoo Osnabrück gemeinschaftlich betrieben wird.

Fotos zur bewegenden Geschichte der Schwarzbärin „Honey“

Weiter stellte sich Zooinspektor Thorsten Vaupel vor, er ist seit 1997 als Tierpfleger im Zoo Osnabrück tätig. 2005 erhielt er die Leitung des Raubtierreviers und seit 2011 zusätzlich die der nordischen Tierwelt „Kajanaland“, an deren Errichtung er maßgeblich beteiligt war. Vaupel erklärte, er sei nicht nur bei den großen Plänen involviert gewesen, sondern hatte den Fokus als verantwortlicher Techniker auf die vielen kleinen Dinge, „dem Klein-Klein“ gelegt – jede Klinke und viele technische Vorrichtungen mussten für die jeweiligen Tiere und auch für die Sicherheit der Angestellten passend gestaltet werden.

Zooinspektor Thorsten Vaupel kennt jede Klinke im Zoo und sorgt für die Technik und für die technischen Bedürfnisse der Tiere und der Menschen und somit für die Sicherheit.

Bereits seit 2012 als stellvertretender Zooinspektor tätig übernahm Vaupel die Position nun komplett, nachdem der bisherige Zooinspektor Hans-Jürgen Schröder Ende November 2019 in den Ruhestand eingetreten war. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören die Führung des Wirtschaftshofs mit Gärtnern und Handwerken, Bauleitung, Beschaffung der Futtermittel und die Arbeits- und Tiersicherheit.

Zootierarzt Thomas Scheibe

Zootierarzt Thomas Scheibe behandelt seit 2008 die Tiere im Zoo Osnabrück und leitet seit zwei Jahren die Veterinärstation. Seit 2013 ist Scheibe Fachtierarzt für Wildtiere und besucht jährlich über 30 Stunden für die damit verbundene notwendige Fortbildung.

Fachtierarzt für Wildtiere Thomas Scheibe

Thomas Scheibe schilderte sehr eindrucksvoll seinen Tätigkeitsbereich, der neben der Behandlung der 3000 Tiere im Zoo und manchmal notwendigen Operationen, auch einige Schreibarbeit bereit hält. So muss jeder Tropfen eines Medikaments in seinem Verlauf dokumentiert werden. Was sich mitunter als heikel erweist, „wenn man drei Mal einen Baum geimpft hat“, so der Tierarzt. Aber die Behörden arbeiten schon lange mit dem erfahrenen Tierarzt zusammen, so dass auch solche kleineren Herausforderungen des Alltags gelöst werden können.

Eine Zusammenarbeit mit anderen Tierärzten und Kliniken im Umkreis ist für ihn und die Tiere des Zoos eine Bereicherung. So greift Dr. Scheibe bei speziellen chirurgischen Eingriffen gerne auf das Können von Frau Dr. Ladig zurück und auch das Tiergesundheitszentrum Grußendorf in Bramsche steht mit Rat und Tat zur Seite, wenn es benötigt wird.

Sehr anschaulich erklärte Tierarzt Thomas Scheibe einen Teil seiner bisherigen Fälle

Als Unterstützung sowie Urlaubsvertretung soll er im Rahmen des neuen Modells einen zweiten Tierarzt erhalten. Diese Vertretungsfunktion hatte bis dato Zoodirektor Prof. Michael Böer übernommen. Auch die Station soll erweitert werden, denn für die Behandlung der Zootiere ist es eng geworden in der Veterinärstube.

Resümee der letzten zwei Jahre

„Das Team hat sich in den letzten Jahren wirklich toll zusammengefügt und sowohl der Betriebsrat als auch die Mitarbeiter sind von dem Modell überzeugt. Wir können nun nicht jemanden aus dem Team als Zoodirektor ausweisen, das würde die Teamstruktur kaputt machen. Wir müssten jemanden von außen holen – das bringt natürlich die nun gewachsene Struktur wieder durcheinander“, erläuterte Geschäftsführer Andreas Busemann.

„Ich kann nachvollziehen, dass man aus der Geschichte der Zoos heraus denkt, man brauche einen offiziellen Zoodirektor. Prüft man die Sachlage, sieht man jedoch, dass unser Team die Arbeit in den letzten Jahren hervorragend erledigt hat.“

Auch der Bereich Wissenschaft und Artenschutz solle in Zukunft nicht zu kurz kommen, wie die Kuratoren berichteten:

Die Zusammenarbeit mit der Universität Osnabrück und der Universität Frankfurt zu Forschungsprojekten werde weiterlaufen und auch die Tierschutzvereine Euronerz, Sphenisco oder Rettet den Drill erhalten in Zukunft Unterstützung. Eine weitere wichtige Aufgabe von Zoos, die Umweltbildung, werde mit Aufklärungskampagnen der Zooverbände wie der EAZA, durch Artenschutztage oder Meeresschutzkampagnen nachgegangen.

30 Millionen Euro für die Tiere in den letzten 15 Jahren

Im Hinblick auf den Mitgliedsantrag, einen Zoodirektor als zweiten Geschäftsführer einzustellen, erläuterte Busemann: „Der Zoo Osnabrück erhält anders als die meisten Zoos nur einen marginalen kommunalen Zuschuss. Das heißt, wir müssen das Geld, um den Zoo betreiben zu können, erwirtschaften und das ist sehr schwer. Dreiviertel unseres Budgets machen Besuchereinnahmen aus, etwa 1 Million Euro erhalten wir jährlich durch Sponsoring und Fundraising – das muss erstmal in die Kasse kommen.“

Zoo Geschäftsführer Andreas Busemann

Da Doppelspitzen die Leitung eines Betriebs eher erschweren, wäre dieses Modell ein großes finanzielles Risiko für den Zoo, seine Tiere und seine Mitarbeiter, so Busemann weiter. In der deutschen Zoowelt habe einzig der Zoo Köln eine derartige Doppelspitze, der Zoo erhalte aber auch 3 Millionen Euro Zuschuss jährlich und liege in einer Metropole mit zahlreichen Touristen.

Das aktuelle Modell mit einem Kaufmann als Leiter und wissenschaftlicher Leitung als Prokurist habe als Struktur für die verschiedenen Bereiche in den vergangenen sieben Jahren sehr gut funktioniert.

„Manche mögen denken, dass mir als Geschäftsführer nur das Geld wichtig ist. Und natürlich ist es mir das: für die Mitarbeiter und für die Tiere. Aber Tatsache ist doch: Geht es den Tieren im Zoo nicht gut, kommen auch keine Besucher und wir können den Zoo schließen. Deswegen stehen auch bei mir immer die Tiere im Fokus“, betonte Busemann. „So haben wir in den letzten 15 Jahren etwa 30 Millionen Euro am Schölerberg für die Verbesserung der Tierhaltung verwendet – mein Job war dabei, das Geld reinzuholen.“ Auch bei allen Events oder Marketingmaßnahmen stünde das Wohl der Tiere im Fokus, die Meinung der wissenschaftlichen Abteilung werde immer berücksichtigt und das werde auch in Zukunft so sein.

„Wenn man auf die deutsche Zoowelt schaut, ist eine kaufmännische Leitung immer üblicher, eben auch weil Zuschüsse eher sinken, als steigen. Waren es vor fünf Jahren noch 20 Prozent, so sind es inzwischen schon 30 Prozent der europäischen Zoos, die von Kaufmännern geführt werden. Ansonsten verteilt sich die Leitung in den 115 untersuchten Zoos gleichmäßig auf Tierärzte, Zoologen und andere Berufsbilder“, berichtete Busemann. 

Für die kommenden Jahre plant die Zooleitung aktuell eine Vergrößerung der Elefantenanlage sowie eine mögliche Wasserwelt für Seehunde, Seelöwen und Pinguine: „Hier ist das gesamte Leitungsteam eingebunden und jeder bringt seine Kompetenzen mit ein, ob für den Bereich der Tiere, der Technik und auch der Besucherinteressen. Das ist eine unglaublich wertvolle Zusammenarbeit – auch für mich als Geschäftsführer“, freut sich Busemann.

Abstimmung für Aufsichtsratssitzung

Nach der ausführlichen Präsentation des aktuellen Leitungsteams und Diskussionen kam es zur Abstimmung. Die Mitglieder sprachen sich einstimmig mit 155 Stimmen- ohne Enthaltungen!- für das wissenschaftliche Leitungsteam aus.

Viele der Anwesenden würdigten noch einmal ausdrücklich die bisherige Arbeit der Teammitglieder. Dies zeigte sich auch im Vorschlag eines Mitglieds, die Kuratoren zukünftig als „wissenschaftliche Leitung“ zu bezeichnen, den Geschäftsführer Busemann sofort aufgriff. 

Damit soll der Wunsch der Zoogesellschaft nach einem starkem wissenschaftlichen Team, welches symbolisch das Tierwohl repräsentiert, geschaffen werden. Der Wunsch nach einem Gesicht eines Zoodirektors, eines Repräsentanten, den Mitglieder äußerten, war dem Tierwohl geschuldet. Es konnte aber in den folgenden Redebeiträgen dargelegt werden, dass dieses Team aus vier Spezialisten, dem Zootierarzt, dem Zooinspektor für die Technik und den beiden Kuratoren für ihre jeweilige Reviere, die besten Repräsentanten sind, die zudem mit den Mitarbeitern und dem Geschäftsführer des Zoo Osnabrück wunderbar zurecht kommen.

Bedenken, die Position der Geschäftsführers Busemann könne womöglich ohne die Position des Zoodirektors zu stark werden, wurden sehr deutlich von Mitarbeitern des Zoos zurückgewiesen. Ebenso wie von Herrn Busemann selbst, dem sehr an einer harmonischen und gesunden Beziehung aller für die Entwicklung des Zoos gelegen ist.

Wie Präsident Brickwedde erläuterte, wird die Empfehlung der Zoogesellschaft Grundlage der Entscheidung des fünfköpfigen Gremiums sein. Die zwei Kuratoren erhielten jeweils eine Prokura, die freiwerdenden von Frau Lisa Simon und Dr. Böer. In zwei Jahren werden man evaluieren, wie die Situation sich darstellt und ob Änderungen an der Aufstellung notwendig seien.

Die finale Entscheidung über den Aufbau fällt bei der nächsten Aufsichtsratssitzung mit den Vertretern der Stadt Osnabrück. Der Grund dafür ist, dass die Zoogesellschaft Osnabrück e.V. aktuell zwar 95 Prozent an der Zoo Osnabrück gGmbH hält und die Stadt Osnabrück 5 Prozent. Dies verschiebt sich jedoch im neuen Jahr: Mit der zusätzlichen finanziellen Unterstützung in Form eines Agios in Höhe von 2 Millionen Euro verteilt auf die nächsten vier Jahre, erhält die Stadt in Kürze zusätzlich 20 Prozent an der Zoo Osnabrück gGmbH.

„Wir, das Präsidium, bedanken uns bei Ihnen, dass Sie sich die Zeit für die Zukunft des Zoos genommen haben. Sie können sich sicher sein, dass ich Ihre Meinung beim Aufsichtsrat voll vertreten werde. Über den weiteren Fortgang halten wir Sie natürlich auf dem Laufenden“, schloss Präsident Brickwedde die Veranstaltung um kurz vor 23 Uhr. Da der Präsident des Vereins auch die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden der Zoo Osnabrück gGmbH innehat, war Brickwedde vor kurzem – nach seiner Wahl zum Präsidenten im September – auch zum Aufsichtsratsvorsitzenden ernannt worden. Seinen Posten als Beiratsvorsitzender der Zoo Osnabrück gGmbH legte er dafür nieder. Neue Beiratsvorsitzende ist Nancy Plaßmann, Vorstandsmitglied der Sparkasse Osnabrück.

Bildquellen

  • Das neue Team des Zoos Osnabrück: Bianka Specker
  • Kurator Tobias Klumpe: Bianka Specker
  • Kurator Andreas Wulftange: Bianka Specker
  • Schwarzbärin Honey: Bianka Specker
  • Thorsten Vaupel: Bianka Specker
  • Tierarzt Thomas Scheibe: Bianka Specker
  • Behandlung/OP: Bianka Specker
  • Geschäftsführer Andreas Busemann: Bianka Specker