Grippeimpfung in der Apotheke? Landesweite Modellprojekte starten noch in diesem Jahr

Die Apothekerkammer in Niedersachsen bestätigte: Bald werden landesweit Modellprojekte zur Grippeschutz-Impfung in Apotheken anlaufen. Wie unsere Redaktion erfuhr, sollen noch in diesem Jahr Schulungstermine stattfinden, um Apotheker entsprechend zu qualifizieren. Dazu erreichte uns eine Stellungnahme des Vorsitzenden der Bezirksstelle der Ärztekammer Osnabrück, Dr. med. Steffen Grüner.

Keine Grippeimpfung in der Apotheke: Mit bestehenden Infekten und Impfreaktionen können die Apotheker nicht allein gelassen werden!

Dr. med. Steffen Grüner, Vorsitzender der Bezirksstelle Osnabrück der Ärztekammer Niedersachsen, warnt davor, Grippeschutzimpfungen in Apotheken durchzuführen: „Die Apotheken können das Impfen im Gegensatz zur Ärzteschaft nicht entsprechend begleiten.“

Bereits im Masernschutzgesetz aus diesem Frühjahr hat die Bundesregierung festgelegt, dass deutsche Apothekerinnen und Apotheker impfen dürfen. Durch diese Maßnahme soll die im Durchschnitt in Deutschland in den vergangenen Jahren erzielte Impfrate bei Grippeschutzimpfungen von etwa 35 Prozent bei den über 60-Jährigen erhöht werden. Die Zielvorgaben der Europäischen Union sehen bei dieser Altersgruppe eine Impfquote von 75 Prozent vor.

Trotzdem betrachtet die Ärztekammer Niedersachsen diese Impf-Strategie keineswegs als Lösung: „Die Apotheken können das Impfen im Gegensatz zu uns Ärztinnen und Ärzten nicht entsprechend begleiten“, warnt Dr. med. Steffen Grüner, Vorsitzender der ÄKN-Bezirksstelle  Osnabrück. Werde die Grippeschutzimpfung gleichzeitig von der Ärzteschaft  und den Apotheken angeboten, könnten daraus unter anderem Engpässe bei den Impfstoffen entstehen, da die  Berechnungen der benötigten Mengen derzeit über die Ärzteschaft erfolgen.

Impfreaktionen können die Folge sein

„Außerdem kann es zu Impfreaktionen kommen“, weist Grüner hin. Schwerwiegende sogenannte unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) nach Impfungen wie etwa allergische Reaktionen seien zwar selten, könnten aber bei  jedem Patienten auftreten: „Der Schweregrad reicht von milder Lokalreaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock.“

Dann müsste in der Apotheke auf jeden Fall eine Ärztin oder ein Arzt hinzugerufen werden: „Das macht den Vorgang unnötig kompliziert und gefährlich.“ Ohnehin sei wichtig, im Vorfeld zu klären, ob der zu Impfende an einem akuten Infekt leide und zu diesem Zeitpunkt besser nicht geimpft werden sollte, so Grüner. Sonst könne es zu Nebenwirkungen  mit den Symptomen einer Erkältung – Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen kommen.

Das Impfverhalten hänge von vielen Faktoren wie zum Beispiel „Vertrauen“ ab, erklärt der Bezirksstellenvorsitzende  Grüner. „Aber ich sehe nicht, dass eine Maßnahme wie das „Impfen in Apotheken“ an der grundsätzlichen Impfbereitschaft etwas ändert.“

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