Bundesärztekammer-Präsident Reinhardt zur neuen Teststrategie und der derzeitigen Betrachtung des Infektionsgeschehens

Reinhardt: neue Nationale Teststrategie ist konsistent und vernünftig

Berlin – Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt hat die am 15.10.2020 in Kraft getretende neue Nationale Teststrategie als „konsistent und vernünftig“ bezeichnet. Im Gespräch mit dem RBB-Inforadio am selben Tage begrüßte er, „dass regelhaft dort getestet wird, wo Menschen auf engem Raum zusammenleben oder aufgrund ihres Lebensalters oder einer Vorerkrankung besonders gefährdet sind“. Schnelltests in Krankenhäusern, Pflege- und Seniorenheimen flächendeckend einzuführen, sei ein pragmatischer Umgang mit der Pandemie, auch wenn die Schnelltests etwas weniger genau seien als die sehr viel zeitintensiveren PCR-Tests.

Die Bundesärztekammer hatte die Weiterentwicklung der Coronavirus-Testverordnung auch in ihrer schriftlichen Stellungnahme an das Bundesgesundheitsministerium unterstützt. Dadurch würden Risikogruppen besser vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt. Kritisiert hatte die Bundesärztekammer jedoch die festgelegte Obergrenze von Testkontingenten für die genannten Einrichtungen und Unterkünfte. Vielmehr sollte die Anzahl der Testungen an die jeweils vorherrschende Situation vor Ort angepasst und je nach Fall entschieden werden.

Reinhardt: Das Infektionsgeschehen differenzierter betrachten

Zuvor hatte Reinhardt gefordert, dass die gängigen Corona-Kennzahlen auf den Prüfstand gestellt werden sollten. Das hat Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt vor dem Bund-Länder-Treffen gegenüber der Funke-Mediengruppe gefordert (14.10.2020). Ziel müsse es sein, „zu einer viel differenzierteren Betrachtungsweise des Infektionsgeschehens“ zu kommen.

Die Neuinfektionszahlen reichten nicht aus, um die Gefährdungslage der Bevölkerung insgesamt abzubilden. Sinnvoll und notwendig seien weitere Kriterien: das Verhältnis von positiven Testergebnissen zur Gesamtzahl der vorgenommenen Abstriche, die Zahl der tatsächlich Erkrankten unter den positiv Getesteten, die Unterscheidung nach Altersgruppen unter den Infizierten sowie die Relation von schweren Verläufen zur Kapazität an Intensivbetten, so Reinhardt.

Beherbergungsverbote ungeeinget

Darüber hatte der BÄK-Präsident deutliche Kritik an den aktuell in verschiedenen Bundesländern geltenden Beherbergungsverboten geübt. Sie seien „ungeeignet, das Pandemiegeschehen einzugrenzen“. So habe sich etwa „die Infektionsdynamik trotz des sehr intensiven innerdeutschen Reiseverkehrs in diesem Sommer kaum beschleunigt“, so Reinhardt. Die regional unterschiedlichen Verbotsregeln führten zu Verunsicherung und Verwirrung bei den Menschen. Damit gefährde die Politik die Akzeptanz der Anti-Corona-Maßnahmen in der Bevölkerung. Reinhardt betont: Viel sinnvoller sei es, „dass wir weiter versuchen, Infektionscluster zu isolieren und bei grober Missachtung der Hygieneregeln konsequent durchgreifen“.

Dementsprechend sollten Bund und Länder die Beherbergungsverbote rückgängig machen. „Die meisten Bürgerinnen und Bürger sind gerne bereit, einen Beitrag zur Pandemieprävention zu leisten. Aber dann müssen die von der Politik beschlossenen Maßnahmen in sich konsistent und nachvollziehbar sein“, betonte Reinhardt in der Rheinischen Post (14.10.2020). Die unterschiedlichen Beherbergungsverbote der Bundesländer seien dies ganz sicher nicht.

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