Regionale Konjunktur weiter zweigeteilt: Industrie im Aufwärtstrend – Händler und Gastronomen in dramatischer Lage

Die Konjunktur in der Wirtschaftsregion Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim ist weiterhin durch die Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie beeinflusst. Zwar stieg der IHK-Konjunkturklimaindex um sechs Zähler und liegt nun bei 105 Punkten. In den verschiedenen Dienstleistungsbranchen stellen sich sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussichten auf die kommenden Monate jedoch trüb dar.

Demgegenüber zeigt sich die Industrie vor allem wegen des guten Auslandsgeschäfts insgesamt robust. Das ist das Kernergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim für das 1. Quartal 2021 unter mehr als 750 regionalen Unternehmen.

Während die Geschäftslage in der Gesamtwirtschaft nahezu unverändert von per Saldo 9 % der Unternehmen als gut bezeichnet wird, sind die Geschäftserwartungen gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Mittlerweile ist der Anteil der optimistisch bzw. pessimistisch gestimmten Unternehmen mit jeweils ein Viertel wieder ausgeglichen, nachdem zuvor die Pessimisten überwogen.

Zurückzuführen sind diese Werte auf die sich weiter fortsetzende Erholung in der Industrie. „Die Industrie dürfte ihre Aufholjagd weiter fortsetzen. Hierfür sprechen die gestiegenen Auftragseingänge sowie in nicht wenigen Betrieben der verhältnismäßig hohe Auftragsbestand“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf. Insbesondere die Exporterwartungen fallen freundlicher aus als zuletzt. 

41 % der Betriebe rechnen sogar damit, dass sich ihre Geschäftslage noch weiter verschlechtern wird

Im Gegensatz dazu sind Dienstleistungsbranchen wie das Gastgewerbe, der Einzelhandel und der Tourismus weiterhin schwer von Einschränkungen getroffen. Einigen Unternehmen ist die Ausübung ihrer Geschäfte im Wesentlichen vollständig untersagt (so Restaurants, Beherbergung, Sport-, Kultur-, Event- und Freizeitanbieter), andere sind darin faktisch stark eingeschränkt (Reisedienste, Personenverkehr, Werbung). 

Im Einzelhandel berichten lediglich 13 % der Unternehmen von guten Geschäften (Vorquartal: 20 %), während bei 68 % der Betriebe die Geschäftslage schlecht ist (Vorquartal: 43 %). Damit verschlechtert sich die Situation im Gegensatz zur Vorumfrage, die Anfang des Jahres stattfand und damit bereits von den Einschränkungen des Lockdowns gekennzeichnet war. Auch der Ausblick auf die kommenden Monate bietet wenig Hoffnung: 41 % der Betriebe rechnen sogar damit, dass sich ihre Geschäftslage noch weiter verschlechtern wird.

„Die Ergebnisse zeigen nochmals deutlich, dass die Unternehmen noch immer in einem Netz von Unwägbarkeiten gefangen sind. Selbst kurzfristige Planungen sind kaum möglich, die Finanzierungslage bleibt angespannt, viele Betriebe sind weiterhin auf staatliche Hilfen angewiesen“, sagte Graf.

Höhe der Energie- und Rohstoffpreise verstärkt Geschäftsrisiko

Zugleich entwickle sich die Corona-Politik immer mehr zu einem bürokratischen Flickwerk aus Regelungen des Bundes, der Länder und der Kommunen. Er fordert stattdessen, dass mit den steigenden Impfquoten auch wieder Spielräume für kontrollierte Öffnungen genutzt werden müssen. „Dänemark, Österreich, die Schweiz und andere zeigen bei vergleichbarer Infektionslage, dass auch differenziertere Antworten auf Corona möglich sind als pauschale Schließungen.“

Neben der unsicheren Perspektive im Zuge der Corona-Beschränkungen sehen die Unternehmen auch in der Höhe der Energie- und Rohstoffpreise verstärkt ein wesentliches Geschäftsrisiko. Äußerten sich vor einem Jahr lediglich 17 % der Unternehmen entsprechend, macht dies nun mehr als jeder zweite Betrieb. Ursache hierfür sind die jüngsten Preisrallyes bei Rohstoffen wie Erdöl, Kupfer und Aluminium. Aber auch die Rücknahme der zeitweisen Mehrwertsteuersenkung sowie der Anstieg der CO2-Steuer machen sich bei den Unternehmen bemerkbar. Betroffen ist insbesondere die Industrie.

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