„In finsteren Zeiten – digital“
Musikalische und literarische Auseinandersetzung mit Felix Nussbaum und weiteren zensierten Autoren

Anna-Lena Voltz & Maximiliano Valdés.

Osnabrück. Am 12. Oktober 2021 um 20 Uhr feiert der Konzertfilm „In finsteren Zeiten – digital“ auf YouTube seine Online-Premiere. Das vom Institut für Musik durchgeführte Wandelkonzert im Felix-Nussbaum-Haus vor einem Jahr war ein großer Erfolg. Zeitweise musste das Museum wegen Überfüllung sogar die Türen schließen, weshalb wir das im Konzert entstandene Filmmaterial nun online präsentieren, um allen Interessierten dieses einmalige Erlebnis (noch einmal) zu ermöglichen. 

Sieben musikalische Duos haben im Oktober 2020 je ein Bild Nussbaums und einen zensierten Text der Weltliteratur als Inspirationsquelle für ihre Komposition bekommen, sich intensiv damit auseinandergesetzt und jeweils ein musikalisches Statement vorbereitet. Die Ergebnisse vereinen ganz unterschiedliche Stilistiken, von Barockmusik bis hin zu moderner Sprachperformance. 

Es werden Texte von der deutsch-rumänischen Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller zu hören sein, von Yan Lianke aus China, der heute noch durch Zensur eingeschränkt wird, von Anne Frank, Thomas Mann und Bertolt Brecht, von dem chilenischen Liedermacher Victor Jara, außerdem ein italienisches Soldatenlied aus dem Ersten Weltkrieg. 

„In finsteren Zeiten“: Dieser Titel ist von Bertolt Brecht geliehen, eine Zeile aus seinem Gedicht „Schlechte Zeit für Lyrik“, das im dänischen Exil entstand.

In den 1950er Jahren griff Hannah Arendt diese Zeilen auf und verfasste eine Porträtsammlung mit dem Titel „Menschen in finsteren Zeiten“, in der Brecht natürlich auch vorkommt. Angelehnt an die oft aneckende Arendtsche Philosophie sind auch einige der gespielten Stücke alles andere als beliebig und gefällig. Manche sind vielleicht sogar anstrengend zu hören. Aber auch diese Form von Kultur brauchen wir, denn an diesen Ecken und Kanten kann ein neuer Diskurs entstehen. Und mehr als das.

Durch das Brennglas der Kunst entstehen Urteile über das Zeitgeschehen. Wunderbar beobachten kann man das anhand einiger der vertonten Texte und hier zu betrachtenden Bilder. Sie zeichnen Gesellschaften nach, sind teilweise unter Lebensgefahr entstanden, und trotzdem hatten die Autoren und der Maler den Mut, sich auszudrücken. Manche Klänge mögen ungewohnt sein, lassen sich davon inspirieren und zum Nachdenken anregen. Margherita Kravina und Jan Monazahian führen durch das Programm und laden Sie ein, sich alle sieben Stücke anzuhören.

Der Film ist ab dem 12. Oktober, 20 Uhr zu sehen unter www.youtube.com/hochschuleos (Direktlink: https://www.youtube.com/watch?v=DPz7cd351qo

Gefördert von der Sparkassenstiftung Osnabrück, den Osnabrücker Friedensgesprächen, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Osnabrück, der Hochschule Osnabrück, dem Felix-Nussbaum-Haus, dem KulturMarathon der Stadt Osnabrück und Akinema Film. 

Bildquellen

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  • 2021-10-12-In-finsteren-Zeiten: Hochschule Osnabrück Institut für Musik, c_Claudia ....