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Mittwoch, 11. März, 2026
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Bistum Osnabrück trennt sich von der Kommende Lage – Ordensleute verlassen das Anwesen

Bild: © Franziskaner-Minoriten Provinz St. Elisabeth Quelle: Bistum Osnabrück

Das Bistum Osnabrück plant, das Gebäude der Kommende Lage in Rieste zu verkaufen. Generalvikar Ulrich Beckwermert begründete die Entscheidung am Dienstagabend in einer Gemeindeversammlung mit den hohen Sanierungskosten des jahrhundertealten Anwesens, die das Bistum derzeit nicht tragen könne.

Die Bistumsverwaltung beziffert die Kosten allein für die dringend notwendigen grundlegenden Sanierungsmaßnahmen auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag.

„Angesichts der angespannten Finanzlage und des hohen Konsolidierungsbedarfs können wir diese zusätzlichen Ausgaben nicht stemmen“, erklärte Beckwermert. Das Bistum könne nicht alle Gebäude dauerhaft halten und finanzieren.

Der Verkaufsentscheidung sei die Bistumsleitung „nicht leichtgefallen“, vor allem, weil damit auch der Auszug der beiden Ordensgemeinschaften verbunden ist. Die fünf Brüder der Franziskaner-Minoriten und die zwei Schwestern der Klarissen-Kapuzinerinnen werden das Anwesen in den kommenden Monaten verlassen.

Die Klarissen ziehen Ende August 2026 nach Xanten; sie waren 2024 probeweise für zwei Jahre nach Lage gekommen. Die Franziskaner-Minoriten sind seit 2021 vor Ort. Sie werden die Wallfahrtssaison 2026 auf jeden Fall noch in Lage begleiten.

Beckwermert berichtete, man habe den Brüdern das benachbarte Pfarrhaus als neuen Standort angeboten. Die Ordensleute sähen ihren Dienst jedoch eng mit der Kommende verbunden.

Dank an die Ordensleute – Wallfahrt bleibt Priorität

Ulrich Beckwermert dankte den Ordensangehörigen bei der Gemeindeversammlung, an der auch der Leiter der Franziskaner-Minoriten auf Lage, Bruder Maximilian, teilnahm, für ihren Dienst.

„Sie haben – und tun es noch – hier mit großer Akzeptanz als Ansprechpartner und Seelsorger für die Pilgerinnen und Pilger gewirkt. Lage ist ein Ort, wo die Menschen ihre Sorgen buchstäblich aufs Kreuz legen können. Danke, dass sie die Menschen dabei begleitet haben und noch weiter begleiten.“

Der Wallfahrtsort habe für das Bistum eine große Bedeutung. „Die Kirche St. Johannes der Täufer ist ein geistlicher Leuchtturm. Wir wollen ihn in Zukunft weiter leuchten lassen, auch wenn wir jetzt zu diesem Verkauf gezwungen sind“, so Beckwermert. Die Wallfahrt werde vom Bistum weiter gefördert. So ist geplant, dort Stellen für pastorales Personal zu schaffen, um den Pilgern weiter ein seelsorgerliches Angebot machen zu können.

Verkauf startet sofort – Seriöser Käufer gesucht

Der Verkaufsprozess für die Immobilie (das Kommende-Gebäude, nicht das im Eigentum der Pfarrgemeinde verbleibende Pfarrhaus) beginnt umgehend. Eine bereits bekannte Maklerfirma wurde beauftragt.

„Wir achten sehr genau darauf, an wen das Gebäude geht“, unterstrich Beckwermert. Gesucht werde ein seriöser Käufer mit einem überzeugenden Nutzungskonzept, der die Geschichte des Ortes kenne und respektiere.

Geschichte von Kommende und Wallfahrt

Klösterliches Leben in Lage reicht bis Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Graf Otto von Tecklenburg übertrug damals seinen Hof dem Johanniterorden – die „Kommende Lage“ entstand.

Nach einer wechselvollen Geschichte und der Aufhebung 1810 diente das Anwesen unter anderem als Hotel, bis es 1999 vom Bistum Osnabrück erworben wurde. Von 1999 bis 2020 lebten dort Dominikanerinnen, die den Ort altersbedingt verließen. Seit 2021 sind die Franziskaner-Minoriten da, seit 2024 ergänzt durch die beiden Klarissen.

Die Wallfahrtstradition in Lage umfasst rund 800 Jahre. Ihr zentrales Element ist die Kreuztracht: Gruppen, Familien oder Nachbarschaften tragen das rund 135 Kilogramm schwere Kreuz um die Kirche und beten dabei meist für Menschen, die selbst ein schweres Kreuz tragen, durch Krankheit, Schicksalsschläge oder andere Belastungen.

Das Bistum Osnabrück erstreckt sich von der Nordseeküste über Ostfriesland, das Emsland und das Osnabrücker Land bis nach Bremen. Es zählt knapp 500.000 katholische Christen und wird von Bischof Dominicus Meier OSB geleitet.

Bildquellen

  • Kommende Lage: © Franziskaner-Minoriten Provinz St. Elisabeth Quelle: Bistum Osnabrück