Theater Osnabrück stellt seine Pläne für die Spielzeit 2020/21 vor

Intendant Ralf Waldschmidt hat in einer Pressekonferenz am Freitag, den 26. Juni im Theater Osnabrück den Spielplan für die Theatersaison 2020/21 vorgestellt. 

Generalmusikdirektor Andreas Hotz, Schauspieldirektor Dominique Schnizer, der Leitende Schauspieldramaturg Jens Peters sowie Mauro de Candia, Künstlerischer Leiter der Dance Company Theater Osnabrück, und Patricia Stöckemann, Dramaturgin und Managerin der Dance Company, präsentierten das Programm der 5 Sparten für die neue Spielzeit. Ralf Waldschmidt und der Kaufmännische Direktor Matthias Köhn gaben außerdem einen Überblick über die gegenwärtigen Hygienemaßnahmen und Regelungen für den Theaterbesuch.

Die neue Spielzeit schlägt aus den Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie kreative Funken: Das emma-theater kann zumindest in der 1. Spielzeit-Hälfte aufgrund der Abstandsregelungen nicht als Spielstätte genutzt werden und verwandelt sich zum Studio für neuartige Digital-Projekte. Im Theater am Domhof kommen spannende Einakter zur Premiere. Dort werden vorerst nur etwa 150 Zuschauer Platz finden und das Theater informiert über die Website (www.theater–osnabrueck.de) zu aktuellen Entwicklungen und Maßnahmen, die den Theaterbesuch betreffen. 21 Premieren, darunter 11 Uraufführungen, und 6 Wiederaufnahmen sind in der Spielzeit 2020/21 zu erleben.

Intendant Ralf Waldschmidt: „In meiner zehnten und letzten Spielzeit am Theater Osnabrück schlagen das künstlerische Team und ich mit zahlreichen Uraufführungen bewusst Brücken in die Zukunft. Gerade jetzt ist die Aktualität des Theaters gefragt, als Forum der Demokratie und als Ort kreativer Auseinandersetzung. Wir freuen uns darauf, nach monatelanger Pause die Bühne wieder mit neuem Leben zu füllen und dem Publikum endlich wieder in die Augen schauen zu können.“

Musiktheater: Raritäten, große Oper und eine Uraufführung

Zahlreiche reizvolle Werke stehen selten auf dem Spielplan, weil sie kürzer sind als ein üblicher Opernabend und eine kleinere Besetzung aufweisen. Jetzt, in Corona-Zeiten ist ihre Stunde gekommen: 

Den Saisonauftakt macht mit Henry Purcells Dido and Aeneas ein Juwel der englischen Barockoper. Finstere Mächte hindern die verliebten Herrscher Dido und Aeneas daran, zusammenzukommen. Purcell macht aus der antiken Mythologie ein raffiniertes und emotionales Musiktheater. Ebenfalls aus der Mythologie stammt der Stoff zu Franz von Suppés Operette Die schöne Galathee. Suppé adaptiert die Geschichte des Bildhauers Pygmalion, der sich in seine eigene Statue verliebt und sie zum Leben erweckt. Die spritzige, französisch angehauchte Musik macht den Einakter zu einem großen Operettenvergnügen. Mit Trouble in Tahiti hat Leonard Bernstein eine gekonnte Mischung aus Musical und Oper geschaffen, in dem ein Jazztrio durch die Geschichte führt, die in einem vermeintlichen Vorstadtidyll spielt.

In der Spielzeit 2020/21 werden die unterbrochenen Proben zu Die Meistersinger von Nürnberg fortgesetzt. Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem entsteht in Kooperation mit der Dance Company. Den Abschluss der Spielzeit bildet die Uraufführung von Der Schatten des estnischen Komponisten Jüri Reinvere nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen. Als Wiederaufnahmen sind Die Comedian Harmonists – jetzt oder nie und die als Wiederentdeckung des Jahres 2019 ausgezeichnete Opernrarität Guercœur zu erleben.

Schauspiel: Kunst muss politisch bleiben

Dominique Schnizers Adaption des Romans Die Nacht von Lissabon von Erich Maria Remarque, die eigentlich bereits im März Premiere gefeiert hätte, findet nun pünktlich zum 50. Todestag des Osnabrücker Autors den Weg auf die Bühne des Theaters am Domhof. Die Adaption von Klaus Manns Roman Mephisto, der den schmalen Grat zwischen Widerstand und Opportunismus während des Nationalsozialismus erkennen lässt, zeigt, dass man die eigene Macht und Verantwortung nie verkennen sollte. Neben der Nacht von Lissabon thematisiert auch die Komödie Willkommen die Flüchtlingskrise und holt in der Inszenierung von Elina Finkel die Frage nach unserer Toleranzgrenze in das Wohnzimmer der bürgerlichen Mitte.

In der Uraufführung von Rebekka Kricheldorfs Das Waldhaus geht es im Gewand eines Thrillers um Verschwörungstheorien und in der Abschlussinszenierung Das Narrenschiff nach dem Roman von Katherine Anne Porter wird der Mikrokosmos Kreuzfahrt genutzt, um Menschen unterschiedlichster Herkunft aufeinanderprallen zu lassen.

Im emma-theater wird vorerst rein digital gestartet:

Bei der virtuellen Uraufführung Tödliche Entscheidung können die Zuschauer den weiteren Verlauf der Serie bestimmen und Johann Wolfgang Goethes Götz von Berlichingen wird in einer Inszenierung von Daniel Foerster ebenfalls digital präsentiert.

Mit Die Osnabrück-Bücher von Hélène Cixous wird sich der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart Osnabrücks und den Fragen von Mehrsprachigkeit und Identität zugewandt. Als eine weitere Uraufführung beschäftigt sich Kriegerinnen von Ron Zimmering mit Frauen und rechtem Denken. Die letzte Premiere der Spielzeit ist die Uraufführung des Gewinners des Osnabrücker Dramatikerpreises, Verbindungsfehler von Julian Mahid Carly-Hossain, in der ein Haus mit vier Anwohnern gezeigt wird, die unterschiedlicher nicht sein könnten – das Einzige, was sie scheinbar verbindet, ist der gemeinschaftlich geteilte WLAN-Router.

Als Wiederaufnahmen sind im emma-theater die Komödie Die Mitwisser, Die Zofen und das Ein-Personen-Stück Und jetzt: die Welt! in Planung.

Tanz: Abstandsregeln und geistliche Themen

Die Uraufführung Kunstraub von Mauro de Candia spielt mit den Abstands- und Verhaltensregeln und reizt diese bis ins Äußerste aus. Die neunte Ausgabe von Open Windows verspricht als letzte Ausgabe des Formats, in dem die Tänzer der Dance Company sich als Choreografen erproben können, zu einem vielgestaltigen Abend zu werden. Das letzte Werk von Wolfgang Amadeus Mozart, sein Requiem in d-Moll wird eine spartenübergreifende Produktion mit der Dance Company, dem Opernchor, den Solisten des Musiktheaterensembles sowie dem Osnabrücker Symphonieorchester, in der sich Mauro de Candia erneut einem geistlichen Thema widmet.

Den Doppelabend Beginning/After gestalten die Gast-Choreografen Vasna Aguilar und Fernando Melo und beschäftigen sich dabei mit den Thema Abschied und Neuanfang, das diese Tanzspielzeit durchzieht. Mit der 2. Tanzwoche und der internationalen 8. Tanzgala klingt die letzte Tanzspielzeit unter der Leitung von Mauro de Candia und Patricia Stöckemann am Theater Osnabrück aus.

Konzerte: Weltstars zu Gast

Die Sinfoniekonzert-Reihe startet in der Spielzeit 2020/21 mit Weltstars:

Als Solisten sind im 1. Sinfoniekonzert am 4./5. Oktober 2020 die Geigerin Carola Widmann und im 2. Sinfoniekonzert am 9. November 2020 der Bariton Matthias Goerne zu erleben. Das 3. Sinfoniekonzert präsentiert am 14./15. Februar 2021 Weltmusik auf acht Saiten mit dem Mandolinisten Avi Avital als Solist und das 4. Sinfoniekonzert wird als Benefizkonzert – Musikpreis Spezial am 22. März 2021 stattfinden, in dem ehemalige Preisträger des Osnabrücker Musikpreises als Solisten beteiligt sein werden.

Im 5. Sinfoniekonzert: Dem Schicksal ergeben wird am 12. April 2021 die Orchesterakademie stattfinden, in deren Rahmen Peter Iljitsch Tschaikowskys 5. Sinfonie vom Orchester zusammen mit den Musikern der Orchesterakademie gespielt wird. Femmes fatales ist der Titel des 6. Sinfoniekonzertes, in dem am 3. Mai 2021 u. a. Igor Strawinskys Le sacre du printemps zur Aufführung kommt. Im 7. Sinfoniekonzert: Israel in Egypt ist am 29./31. Mai 2021 Georg Friedrich Händels gleichnamiges großes Oratorium im Osnabrücker Dom mit Solisten des Musiktheaterensembles, den Chören am Dom und dem Osnabrücker Jugendchor zu erleben. Das 8. Sinfoniekonzert findet am 25. Juni 2021 als Klassik unter den Sternenerneut auf dem Domvorplatz als beliebtes Open Air-Konzert statt.

Neben den Purzel- und Strolchkonzerten gibt es eine neue Reihe: Die Familienkonzerte, in denen Klassiker wie Der Karneval der Tiere oder Peter und der Wolf, aber auch ein „kriminelles Konzert“ zu erleben sind.

Kinder- und Jugendtheater OSKAR: Tierische Unterhaltung für Jung und Alt

Das Familienstück Die Konferenz der Tiere von Erich Kästner, für alle Zuschauer ab 6 Jahren, ist im Theater am Domhof zu erleben. Weitere OSKAR-Stücke sind in Planung.

In der Spielzeit 2018/19 konnte das Theater Osnabrück an die Erfolge der letzten Jahre anschließen. In über 580 Vorstellungen wurden insgesamt 143.534 Zuschauer erreicht, die Auslastung lag bei etwa 80%.

Das Spielzeitheft 2020/21 liegt in der Innenstadt Osnabrücks an über 70 Orten, wie Geschäften und anderen Kultureinrichtungen, aus.

Digital gibt es das Spielzeitheft und eine Spielplan-Präsentation als Video unter:

 www.theater-osnabrueck.de

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