Feldforschung auf Lagergelände in Aschendorfermoor Bundesprojekt „Jugend erinnert“ startet in Gedenkstätte Esterwegen

Vor Ort: Dr. Andrea Kaltofen (Gedenkstätte Esterwegen), Ursula Mersmann (Kooperationspartner HÖB Papenburg), Bernd Jordan (Geschäftsführer Ökohof St. Josef), Prof. Dr. Christoph Rass, Universität Osnabrück, Georg Schmitz (Grundstückseigentümer)

Aschendorfermoor. Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt „Jugend erinnert“ startet in der Gedenkstätte Esterwegen. Zehn Studierende haben von Montag bis Freitag, 5. bis 9. Oktober, im vom Bund geförderten Projekt „Boden | Spuren. Gewaltorte als Konfliktlandschaften in der Geschichtskultur“ in einem ersten Schritt das Lagergelände des ehemaligen Strafgefangenenlagers II Aschendorfermoor (Stadt Papenburg) und den so genannten „Heroldfriedhof“ untersucht. Erste Vorarbeiten waren 2019 bereits erfolgreich umgesetzt worden.

„Die eigene praktische Arbeit an einem Schauplatz des NS-Terrors wird den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine tiefe und nachhaltige Kenntnis dieses Teils deutscher Geschichte ermöglichen“, erläutert Landrat und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen, Marc-André Burgdorf. Gemeinsam mit ihm nahmen MdB Gitta Connemann als Unterstützerin des Projekts, Prof. Dr. Christoph A. Rass von der Universität Osnabrück als Projektpartner, Uschi Mersmann, Vorsitzende der Historisch Ökologischen Bildungsstätte als Kooperationspartner des Projekts, sowie Dr. Andrea Kaltofen, Geschäftsführerin der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen, am Termin zum Start des Projekts teil.

Die Studentinnen und Studenten untersuchen während der Feldforschung das ehemalige Strafgefangenenlager Aschendorfermoor mit modernsten zerstörungsfreien geophysikalischen Prospektionsmethoden als Alternative zu Forschungsgrabungen.

Die neuen Techniken befähigen dazu, die Funde digital zu erfassen und mit den Möglichkeiten einer virtuellen Realität darzustellen. Das Forschungsprojekt wird in Zusammenarbeit mit der Universität Osnabrück durchgeführt, die sich in einer „interdisziplinären Arbeitsgruppe Konfliktlandschaften“ auf die Erforschung entsprechender Orte spezialisiert hat.

Corona bedingt müssen alle Arbeiten unter die Hygienekonzepte der AHA-Formel gestellt werden. Dennoch erwarten die Projektpartner in jeder Hinsicht gute Ergebnisse. Projektbegleitend werden die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die nächsten Monate eine Website aufbauen und interaktiv über ihre Arbeit informieren. Die Nachbereitung der Feldforschung wird voraussichtlich bis Anfang Dezember stattfinden.

„Nach Abschluss des dreijährigen Projekts verfügt die Gedenkstätte Esterwegen über ein erprobtes und evaluiertes Konzept, das es auch anderen Gedenkstätten ermöglicht, junge Menschen in einer zeitgemäßen Art und Weise an die Erinnerungsarbeit heranzuführen“, erläutert Burgdorf. Die Gedenkstätte Esterwegen wird in ihren Räumen die Ergebnisse der Vermittlungskonzepte umsetzen und damit eine neue Gedenkstättenpädagogik anwenden.

Das Ziel des Bundesprojekts ist es, mit zeitgemäßer Vermittlungsarbeit mehr junge Menschen als bisher zu erreichen. Mit dem Programm sollen Gedenkstätten und Dokumentationszentren als wichtige Akteure der außerschulischen historisch-politischen Bildungsarbeit und der Aufarbeitung des Nationalsozialismus dabei unterstützen, qualifizierte Bildungsformate für jungen Menschen weiterzuentwickeln. Das Strafgefangenenlager II Aschendorfermoor war eines von insgesamt 15 Emslandlagern der Nationalsozialisten. Es war für 1.000 Gefangene ausgelegt. Besonders bekannt wurde das Lager durch die Kriegsverbrechen des Gefreiten Willi Herold, der sich im April 1945 als Hauptmann ausgab und im Lager ein Massaker mit 172 Todesopfern beging.

Bildquellen

  • Jugend-erinnert-Esterwegen: Landkreis Emsland