Stahlbeton trifft auf urbane Kunst: Hochbunker am Osnabrücker Hauptbahnhof wird zur Pop-up-Gallery

Der Künstler Kartel (Mitte) zeigt mit den Gründern Inga Meggers und Oliver Bartelds seinen Entwurf für das famOS Festival für urbane Kunst: Symbolisiert durch eine Pferdekutsche wird er an der Stützwand neben dem Hochbunker am Osnabrücker Hauptbahnhof die Suche nach einer neuen Heimat thematisieren.

30 Künstler beteiligen sich an der ersten Auflage des neuen famOS Festivals für urbane Kunst Osnabrück

Osnabrück, 15. Juli 2021. Es wird skizziert, gemalt und geklebt: Die graue Betonwand des Hochbunkers am Osnabrücker Hauptbahnhof verwandelt sich seit wenigen Tagen nach und nach in eine facettenreiche Freiluftgalerie. 30 regionale, nationale und internationale Künstler beteiligen sich an der ersten Auflage des famOS Festivals für urbane Kunst Osnabrück.

Neben 21 Kunstwerken an der Außenfassade des Bunkers sowie der darunter gelegenen Stützwand gestalten die Künstler in den nächsten Wochen auch Innenräume. Hier werden neben Wandarbeiten auch Fotografien, Installationen und weitere Exponate zu sehen und zu erwerben sein. Der Ausstellungsbetrieb öffnet für Besucher vom 18. bis 25. September. 

Entstanden ist die Idee des Kunst-Festivals während der Corona-Pandemie 2020. Im vergangenen Sommer haben Oliver Bartelds und Inga Meggers zusammen mit einem kleinen Team und einem sehr geringen Budget in wenigen Wochen eine eintägige Pop-up-Ausstellung in zwei Abrisshäusern am Osnabrücker Bürgerpark auf die Beine gestellt.

„Die damalige Bürgerpark Gallery zog über 1.000 Besucher an, viele wünschten sich weitere Urban-Art-Ausstellungen für Osnabrück“, berichtet Meggers. Daraufhin gründeten die beiden den Verein „Urban Art Osnabrück e.V.“ und mit einem Team aus acht Ehrenamtlichen begann die Suche nach einer neuen Location. „Uns war wichtig, dass die Ausstellung wieder an einem besonderen Ort mit Geschichte stattfinden soll. Der Bunker ist dafür perfekt. Wir können seine Historie mit den Geschichten der Künstler verbinden und arbeiten dafür auch eng mit den Osnabrücker Bunkerwelten zusammen.“ 

Urbane Kunst ist die Pop-Art des 21. Jahrhunderts

Bartelds ergänzt: „Mit unserem Festival möchten wir verschiedensten Menschen Kunst näherbringen und ihnen genau diese Geschichten erzählen. Urbane Kunst eignet sich dafür ideal, denn sie hat ihre Wurzeln in der Aneignung des öffentlichen Raumes und begegnet den Menschen beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit oder der Zugfahrt. Durch diese Präsenz kann urbane Kunst verschiedenste Bevölkerungsgruppen erreichen. Es ist die Pop-Art des 21. Jahrhunderts.“

Alle künstlerischen Arbeiten stehen in diesem Jahr unter dem Oberthema „Begegnungen“. Bartelds erläutert die Idee hinter dem Thema: „Stahlbeton aus der Zeit des zweiten Weltkrieges trifft auf moderne Kunst. Zudem ermöglicht die abgeschwächte Pandemie endlich wieder Begegnungen untereinander. Und wir haben den Kreuzungsbahnhof als Begegnungsort in unmittelbarer Nähe.“

Seit Herbst 2020 planen sie die erste Auflage des famOS Festivals für urbane Kunst (von links): Inga Meggers, Fabian Bayer, Jakob Schöning, Katrin Lazaruk, Oliver Bartelds, Julian Stein, Julia Ludger und Joanna Belde.

Kunstwerk erzählt von der Suche nach einer neuen Heimat in Deutschland

Dieser Ort ist es auch, der für den Künstler Kartel eine besondere Rolle spielt. „Mit acht Jahren sind wir aus Osteuropa nach Deutschland immigriert und Osnabrück war die erste große Stadt, die ich in Deutschland gesehen habe. Der Osnabrücker Hauptbahnhof und die Bahnlinie in Richtung Berlin stehen für mich bis heute als Symbol unserer Suche nach einer neuen Heimat, da wir damals viel mit dem Zug zwischen Osnabrück und Hannover hin- und hergereist sind.“

Diesen prägenden Teil seiner Lebensgeschichte wird der 28-Jährige in seinem Wandkunstwerk an der großen Stützwand entlang genau dieser Bahnlinie aufzeigen. „Ich freue mich sehr, dass ich den Bunker und seine Umgebung, also einen sehr geschichtsträchtigen Ort, um meine persönliche Geschichte ergänzen darf und sie so vielen Menschen begegnen wird – sei es beim Ankommen in Osnabrück oder beim Durchreisen mit dem Zug.“

Unterstützt wird famOS insbesondere vom Fachbereich Kultur der Stadt Osnabrück, von der Stiftung der Sparkasse Osnabrück, dem Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Insgesamt 30 regionale, nationale sowie internationale Künstler verwandeln für das famOS Festival für urbane Kunst den Hochbunker am Osnabrücker Hauptbahnhof in eine Pop-up-Gallery zum Thema „Begegnungen“.

Weitere Informationen unter

Bildquellen

  • famOS_Festival_fuer_urbane_Kunst_1: famOS, Julia Ludger
  • famOS_Festival_fuer_urbane_Kunst_2: famOS, Marie Monecke
  • famOS_Festival_fuer_urbane_Kunst_3: famOS, Mirko Müller