Schlepper-Sternfahrt der Landwirte: „Wir denken in Generationen – nicht in Kampagnen!“

Eine Pressemitteilung von „Land schafft Verbindung“:

16. Januar 2020

Land schafft Verbindung Deutschland ruft zum Beginn der Internationalen Grünen Woche in Berlin erneut zu bundesweiten Protesten und Aktionen auf.

Am Freitag, den 17.1.2020 werden in Berlin, aber auch in allen Bundesländern Aktionen und Kundgebungen (Hannover, Kiel, Heide, Nürnberg, Bremen u.v.a.) stattfinden. Nach einer Schlepper-Sternfahrt aus drei Richtungen in die Hauptstadt beginnt die zentrale Kundgebung um 13 Uhr auf dem Ernst-Reuter-Platz (gegenüber TU Berlin, Straße des 17.Juni). Zur Kundgebung sind Vertreter aus Landes- und Bundespolitik auf die Bühne eingeladen.

Die Landwirte kämpfen für faire Rahmenbedingungen für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Landwirtschaft.


In den vergangenen Monaten hat die Initiative Land schafft Verbindung Deutschland bereits mehrfach Tausende Landwirtinnen und Landwirte in der ganzen Bundesrepublik mobilisiert, um auf Missstände in der Agrarpolitik hinzuweisen. Anlass war die Vorstellung des so genannten Agrarpakets der Bundesregierung. Zu diesem nimmt Land schafft Verbindung Deutschland wie folgt Stellung:

Agrarpaket

Das Agrarpaket gefährdet landwirtschaftliche Betriebe. Für die heute vielfach noch regional verankerte Landwirtschaft in unserem Bundesland und somit für viele Arbeitsplätze in der Landwirtschaft selbst, aber auch im vor- und nachgelagerten Bereich, stellt es eine ernstzunehmende Gefahr dar. Dabei darf nicht vergessen werden: Wir sind starke Partner der gesamten Wirtschaft im ländlichen Raum.

Damit sehen wir eine Schwächung der immer wieder gesellschaftlich geforderten regionalen Lebensmittelproduktion. Der Lebensmittelimport wird steigen und zwar ohne Rücksicht auf ökologische und soziale Standards in den Herkunftsländern. Das ist weder in unserem Sinne, noch entspricht es den Wünschen der Verbraucher.

Düngeverordnung

Wir wollen unserer Verantwortung für sauberes Grundwasser nachkommen. Die geplante, weitere Verschärfung der Düngeverordnung (DüVO) sehen wir als praxisfern und kontraproduktiv an. 

Bereits im Jahr 2017 hat eine Verschärfung der Düngeverordnung stattgefunden. Aufgrund des kurzen Zeitraums liegen aber noch keine gesicherten Erkenntnisse über deren Auswirkungen vor. Eine weitere Verschärfung zum jetzigen Zeitpunkt ist daher nicht nachvollziehbar. Zudem sind die Nachteile und Zielkonflikte nicht ausreichend dargelegt. Wenn es zum Beispiel längere Sperrzeiten bei der Ausbringung von Gülle gibt, steht dies im Konflikt damit, dass keine Baugenehmigungen für Güllelager erteilt werden. 

Wir benötigen verlässliche, zumutbare und langfristige Rahmenbedingungen, da die geforderten Maßnahmen mit zum Teil erheblichen Investitionen verbunden sind und keine Planungssicherheit mehr gegeben ist. Wir benötigen eine jährliche und differenzierte Betrachtung nach Region oder sogar nach Einzelbetrieben. Wir benötigen Transparenz und Nachvollziehbarkeit der geplanten Maßnahmen und deren Grundlagen. Wir benötigen sinnvolle Maßnahmen, die unter Umweltschutzaspekten nicht kontraproduktiv sind, wie z.B. das Andüngungsverbot von Zwischenfrüchten.

Wir wollen unseren Beitrag leisten, um Einträge von Nitrat aus der Landwirtschaft in unsere Gewässer zu vermeiden. Dazu müssen die getroffenen Maßnahmen allerdings praktikabel, umsetzbar und sinnvoll sein.

Handelsabkommen

Das Mercosur-Handelsabkommen gefährdet durch Billigpreise importierter Waren die Versorgung mit sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region. Wir sind für fairen Freihandel und Warenaustausch – aber nicht auf Kosten der Landwirte, egal ob in Deutschland oder Südamerika. Für Lebensmittelimporte nach Europa sollten europäische Standards gelten, denn nur so bleibt unsere Landwirtschaft wettbewerbsfähig. Mit der aktuellen Politik zerstören wir bäuerliche Existenzen und Naturräume auf der ganzen Welt.

Wir Landwirte tragen eine besondere Verantwortung für hochwertige und gesunde Nahrungsmittel, für unsere Region, für Insekten- und Naturschutz, für sauberes Grundwasser und eine klimaschonende Landwirtschaft. Bereits heute führen wir eine Vielzahl von Aktivitäten durch, um Tierwohl sowie Insekten- und Naturschutz nachhaltig und auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse weiterzuentwickeln. Und wir sind bereit, weitere Maßnahmen umzusetzen, wenn diese mit uns Praktikern besprochen werden, einen Nutzen für Insekten, Grundwasser, Tiere und unsere Böden stiften und unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stattfinden.

Dazu brauchen wir faire Erzeugerpreise, ordentliche Rahmenbedingungen sowie fach- und sachgerechte Verordnungen und Gesetze. Eine faire und verantwortungsvolle Landwirtschaft ist in Deutschland möglich, wenn alle Partner daran mitarbeiten.

Wir Landwirte wollen das und sind bereit dazu!

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