Verkehrschaos auf dem Schölerberg: Fahren und Parken in Wildwestmanier!

Bericht und Kommentar Bianka Specker

Eingeschränkte Wege und eingeschränkte Sicht. Eine Gefahr für Jedermann.

Während die Politik den Fokus auf den Westerberg gerichtet hat, herrscht in anderen Stadtteilen das blanke Chaos. Eine „protected bike lane“ sucht man hier vergeblich und auch die 30er Verkehrszeichen auf dem Straßenboden sind schon lange verblasst.

Es ist immer wohlklingend, wenn von der Steigerung der Attraktivität die Rede ist, von Fahrradstraßen, von Spielstraßen, verkehrsberuhigten Zonen. Wie sieht die Realität aus? Hier auf dem Schölerberg ist derzeit das Parken wieder zur freien Kunst erklärt worden. Geparkt wird im „Freestyle“ Modus, in Wildwestmanier.

Parken- ist es nicht möglich oder nicht nötig?

Ob nun das Fahrzeug mit allerlei Parkhilfen ausgestattet ist, dürfte bei der Art und Weise des Parken doch eher eine untergeordnete Rolle spielen, wobei massive Probleme beim Einparken derzeit vermehrt zu beobachten sind. Seitlich Einparken gelingt oft erst nach vielen Anläufen und oft paßt es dann dennoch nicht. Aber wozu gibt es noch den Straßenbereich oder den Bürgersteig? Genutzt wird, was vorhanden ist. Woran liegt es? Fehlt hier den Autofahrern die Fähigkeit, die Muße oder die Zeit? Vielleicht liegt es schlicht an der mangelnden Kontrolle durch die Ordnungsbehörden. Das Parken nach den Regeln der StVO ist scheinbar egal geworden.

Wie sollen Kinder rechts den Gehweg zum Radeln nutzen und so erste Erfahrungen sammeln? Ein sicherer Schulweg sieht anders aus.

Als ich die Fotos machte, sprach uns ein Vater an, der seine kleine Tochter zur Schule brachte. Zu Fuß und über den sicheren Weg über ein Privatgelände. Er hatte seiner Tochter mit Begeisterung im Sommer das Radfahren beigebracht. „Hier können die Kinder nicht sicher Rad fahren!“ Er würde es gerne sehen, dass sie mit dem Rad sicher zur Schule kommen könnte. „Aber hier ist auf der rechten Seite wieder alles zugeparkt, da kommt sie nicht gerade und sicher rüber.“ Dabei wäre der Weg von hier bis zur Rosenplatzschule nicht weit- aber ein Weg mit vielen Tücken und Gefahren. Wer setzt sein Kind solchen Gefahren aus? Der Vater, mit dem wir uns unterhielten, wünscht sich hier eine Verbesserung, denn so kann es nicht weitergehen.

Fahrradstraße

Radfahrer dürfen in der Wörthstraße, die auf dem Schild mit dem Zeichen 244 als Fahrradstraße ausgezeichnet ist, auch nebeneinander fahren. In Fahrradstraßen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, woran sich alle Fahrzeuge zu halten haben. Aber auch das ist hier ein Problem. Abgesehen von spektakulären Verfolgungsjagden mit der Polizei, nutzen nicht nur Kriminelle auf der Flucht, sondern viele Autofahrer die Strecke als Abkürzung und scheuen häufig nicht davor, hier noch mal ordentlich aufs Gaspedal zu treten. Ein Stau auf der Iburger oder Sutthauser Str. ist an der Frequentierung der Strecke deutlich auszumachen.

Es kommt an diesen Kreuzungen wegen der mangelnden Übersicht oft zu heiklen Situationen, auch Unfälle gab es hier schon reichlich, viele Radler sind hier schon gestürzt wenn sie aus der Wörthstraße kamen. Ursache sind meist eine nicht angepasste Geschwindigkeit gepaart mit den plötzlich auftretenden Parkhindernissen oder Verkehrsteilnehmern, die von der anderen Seite wie aus dem nichts erscheinen. Die Ablenkung durch Nutzung des Smartphones bei Radfahrern, Autofahrern und Fußgängern nicht zu vergessen, manchmal fehlt auch die Beleuchtung am Rad.

Gute Idee, schlecht umgesetzt

Was hier dringend geboten erscheint, ist eine Pflege der Schilder und der Fahrbahnmarkierung sowie regelmäßige Kontrollen, um dem Treiben Einhalt zu gebieten, bevor es aufgrund der Verkehrssituation zu folgenschweren Unfällen kommt. Sinnig wäre sicherlich auch ein Parkverbot auf der Straße (im Bild unten auf der rechten Seite), um eine freie Sicht für alle Verkehrsteilnehmer zu gewähren.

Es kann nicht sein, dass in einem Wohngebiet mit einem großen Bolzplatz und zwei gut besuchten Kinderspielplätzen die Kinder nicht ohne Gefahr die Straße überqueren können. Das es schon Unfälle dieser Art gab, erzählte uns ein Anwohner. Ein Auto sei wegen zu hoher Geschwindigkeit in der Kurve ausgebrochen und geradeaus in den Zaun eines Privatgrundstücks einer Glaubensgemeinschaft gefahren. Ob sich das Kind von seinen Verletzungen erholt hat, war dem Anwohner nicht bekannt. Auch wenn der Vorfall lange her ist, steckte der Schrecken dem alten Herrn noch sichtlich in den Knochen.

Für Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Kinder auf dem Rad eine Katastrophe. Keine Sicht, ob sich etwas auf dem Bürgersteig rechts nähert und kein direkter Überweg möglich.
Ein Auto ragt mit dem Heck auf die Straße und das auf der Straße vor langer Zeit aufgebrachte 30er Zeichen, ist kaum noch zu erkennen.

Attraktivität Radfahren?

Die Attraktivität des Radverkehrs zu steigern und verstopfte Straßen zu verhindern gelingt mit einer derartigen Verkehrssituation nicht. Die Kinder wird man für das Radfahren nur begeistern können, wenn die Straßen und Wege für sie sicher nicht. Kein Elternteil setzt sein Kind derartigen Gefahren aus.

Wenn die Politik dazu anregen möchte, häufiger aufs Fahrrad umzusteigen, funktioniert dies nicht nur mit dem Aufstellen von Schildern und Hinweisen. Erforderlich ist auch die Pflege und die Kontrolle – kurzum, wenn die grundlegenden Probleme endlich angegangen werden.

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